Czech Travelogue
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Science strikes back ~ Die Technik schlägt zurück
T
hey were the nuts and bolts
of industrial development over
the past three centuries. Bridges,
mills, factories, mines and railways
were built by people in the name
of progress. While places of interest
from times long gone by enjoy our
respect almost by default, industrial
structures are just beginning to be
fully appreciated.
You’ll find some 15,000 sites on the
industrial heritage map of the Czech
Republic. That means every village
and town should by rights have at
least two. Many of the|factories,
tunnels, collieries and water towers
have been lost forever, but there
are still enough left standing worth
taking the trouble to see.
Industrial heritage tourism has
become a new phenomenon in
the tourism business. Distinctive
industrial heritage sites have
huge potential – from their use as
something new to the discovery
of their role as alternative tourist
attractions. Not only are they
attractive places but they also
offer interesting experiences and
are places where you can learn
about the achievements of human
ingenuity in an adventurous way.
D
rei Jahrhunderte lang waren sie
die Hauptakteure des industri-
ellen Aufschwungs und Fortschritts.
All die Brücken, Fabriken, Zechen,
Bahnstrecken… Während sich Bau-
werke aus längst vergangenen Zeiten
einer nahezu selbstverständlichen
Hochachtung erfreuen, gewinnen
Industriebauten Stück für Stück Be-
wunderung und Respekt zurück.
Auf der Karte der Industriedenkma-
le der Tschechischen Republik gibt
es an die 15|000 Objekte. Jede
Stadt und jedes Dorf sollte so
durchschnittlich mindestens zwei In-
dustriebauten auf seinem Gebiet
stehen haben. Viele dieser Fabriken,
Tunnel, Zechen oder Wassertürme
sind für immer verschwunden, den-
noch gibt es bis heute noch viele,
die eine Stippvisite wert sind.
Der Industrietourismus boomt, ja er
ist das neue Phänomen des Reise-
verkehrs. Signifikante technische
Denkmale stellen ein riesiges Po-
tenzial dar – von der Möglichkeit,
sie zu modernen Freizeitaktivitäten
zu nutzen, bis hin zu ihrer Entde-
ckung als alternatives Tourismus-
ziel. Sie bieten nämlich nicht nur
ästhetische Befriedigung, sondern
häufig auch angenehme Erlebnisse
und die Chance, auf abenteuerliche
Weise die Errungenschaften
menschlichen Scharfsinns aufzu-
spüren. Die Popularität der techni-
schen Denkmale steigt quer durch
Europa und so entstehen die ersten
paneuropäischen Routen, die wich-
tige Ankerpunkte des Industrieer-
bes markieren. Auch die Tschechi-
sche Republik ist mit seinen 28 aus-
gewählten Denkmalen Teil dieser
Europäischen Route der Industrie-
kultur, die insgesamt nahezu 900
Orte in 32 Ländern des alten Konti-
nents umfasst.
Faszination Technik
Das Jahr 2015 wurde zum „Europäi-
schen Jahr des Industrieerbes“ aus-
gerufen. Deshalb plant die Tschechi-
sche Plattform „Industriespuren“
(
Industriální stopy), die sich schon
zwanzig Jahre lang dem Schutz und
der modernen Nutzung von Indust-
riebauten widmet, für nächstes Jahr
umfangreiche Ausstellungsaktionen,
internationale Fachmeetings, vor al-
lem aber eine Bilanz der Wandlun-
gen und neuen Nutzung der ehe-
maligen Fabriken und Industriege-
lände in Tschechien
Auch Plzeň, die europäische Kultur-
hauptstadt 2015, bereitet zahlreiche
Aktivitäten vor, die an die erfolgrei-
che Premiere der Pilsner Woche der
Kulturfabriken vom September 2013
anknüpfen sollen.
Die Veranstalter würden gern Indus-
trieobjekte in der Stadt und in deren
Umgebung zu Künstlertreffen oder
zu Kulturveranstaltungen nutzen. Si-
cher keine leichte Aufgabe, aus der
breiten Palette der Industriedenk-
male Tschechiens das Interessantes-
te auszuwählen. Erinnern wir hier
deshalb an ein paar Bauten, die ein-
zigartig sind – in ihrem Erbauungs-
zweck, vor allem aber in ihrem Ge-
nius loci.
Marienbad –
Hauptkolonnade
Der Kurort im westböhmischen Bä-
derdreieck ist nicht nur für seine
Heilanwendungen berühmt, son-
dern nicht minder für seine prächti-
ge Kolonnade. Schon ab dem
19.
|Jahrhundert prägte der zierliche
Bau der vom Wiener Architekten-
büro Hans Miksch & Julian Nied-
zielski projektierten Neobarock-Ko-
An iniciative called the European Route of Industrial Heritage is
bringing industrial heritage sights back to life. This trail across the
continent runs between places of interest which enable visitors to find
out more about milestones in European industrial history. Some 28
industrial heritage sights in the|Czech Republic currently feature on
the trail. These include Stará Huť u Adamova, the water mill in Slup,
Příbram’s Mining Museum, the Plzeňský Prazdroj Brewery and Kutná
Hora’s Czech Silver Museum.
Technische Denkmale zu neuem Leben zu erwecken – das ist das
Anliegen der Europäischen Route der Industriekultur (Route of
Industrial Heritage), die quer durch den ganzen alten Kontinent
touristische Ankerpunkte absteckt, die als Meilensteine der
industriellen Geschichte Europas gelten. 28 technische Denkmale
befinden sich derzeit auch auf tschechischem Gebiet. Unter anderem
auch die Alte Hütte/Stará Huť bei Adamov/Adamsthal, die Wassermühle
in Slup, das Bergmannsmuseum in|Příbram, das Betriebsgelände
der Brauerei Pilsner Urquell/Plzeňský Prazdroj oder das Böhmische
Silbermuseum in Kutná Hora/Kuttenberg.